Film-Tipp

Film-Tipp: Das Neue Evangelium

Filmtipps von Natur & Kultur

Der moderne Jesus ist ein Kämpfer: Wenigstens ist das das Bild, das der Regisseur Milo Rau in „Das neue Evangelium“ zeichnet. Denn dieser Jesus tritt für die Armen und Entrechteten ein. Das Faszinierende an dem Film: Der umstrittene Regisseur Rau verknüpft biblische Szenen mit dokumentarischen: So sieht man Rau etwa mit dem Protagonisten Yvan Sagnet im Gespräch mit den Bewohnern, wie sie Laienschauspieler casten und mit ihnen drehen. Sagnet aber ist im realen Leben Aktivist; 2011 führte er den ersten Protest Schwarzer Erntehelfer in Ampulien an und das gegen die dort herrschenden ausbeuterischen Arbeits- und Lebensbedingungen.

Billig einkaufen : das alte Evangelium

Rau über seinen Film: „Zusammenfassend spielt mein Neues Evangelium in zwei parallelen Welten: Es ist ein echter Aufstand und ein Bibel-Film, er spielt mitten in der Stadt Matera unter Einbeziehung ihrer Bürger – und in den wilden Lagern ringsum, bevölkert von tausenden Geflüchteten aus Afrika. Eine neue Art von Film entsteht, irgendwo zwischen Fiktion und Dokumentation, ein Evangelium für das 21. Jahrhundert, ein Manifest für die Opfer des westlichen Kapitalismus, der Papst Franziskus in seinem berühmten ersten Apostolischen Schreiben Ende 2013 bescheinigt hat: ,Diese Wirtschaft tötet‘.“

Die günstige Dose Tomaten, die wir gelassen in Supermärkten in unsere Einkaufswagen legen – daran erinnert der Film das Neue Evangelium –  ist nicht zwingend ein Produkt italienischer Bauern und Bäuerinnen, denen das Land gehört und die von dieser Arbeit ein ganz gutes Leben haben. Das sind die Menschen, die man im Sommer 2020 auch wieder beim Tönnies Skandal sehen konnte: Die, die aus der Not, für sich, für ihre Familien, alles ertagen müssen: Ausbeutung, Demütigung und Missachtung. Menschenunwürdige Zustände. Und es sind die, die wir dann ganz schnell wieder vergessen möchten. Der Billig-Bratwurst zuliebe, dem 2-Euro-Mahl.

Den Film kann man streamen, etwa beim Frankfurter Mal-Seh’n-Kino am 31. Januar. Die Kosten: 9,99 Euro. Damit unterstützt man außerdem das Kino und Kulturschaffende:

http://www.malsehnkino.de

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