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Imkerei: Die Süße des Alltäglichen

Bienenwabe mit Bienen

Ein heißer Tag im Spätsommer in Frankfurt Sachsenhausen, nicht sehr weit entfernt vom Goetheturm. Längst sind die Tage wieder kürzer. Richard Betz’ Honig, samtig und goldbraun, ist auch schon in Gläser abgefüllt. 200 Stück sind es in diesem Jahr. Sie sind das Ergebnis von vier Monaten unermüdlicher Arbeit von rund 300.000 Bienen.

Honig ist wie Zucker, wie Mehl, wie Haferflocken. Ein Grundnahrungsmittel, das man morgens selbstverständlich auf sein Brot schmiert. Keine große Sache also und in jedem Discounter günstig zu erstehen. „Die Bienen aber produzieren den Honig nicht einfach so, sondern sie sammeln den Nektar als Nahrungsquelle für ihren Nachwuchs und die Wintermonate“, erklärt Betz. „Und damit wir in den Genuss des Honigs kommen können, müssen wir diese Kostbarkeit durch günstigeres Zuckersirup ersetzen“, fügt er hinzu. Doch es ist nicht nur der liebliche Honig, es sind die Bienen selbst, die den Unternehmensberater vor sechs Jahren dazu bewegten, Freizeit-Imker werden zu wollen. Der Film „More than Honey“ habe ihn nachhaltig beeindruckt.

Bienentänze als Vorbild für Algorithmen

Also kontaktierte er unterschiedliche Imkervereine in der Region und entschied sich schließlich für den Offenbacher Imkerverein und Lehrbienenstand. Er absolvierte Kurse, wurde Probe-Imker und inzwischen unterstützt er selber bei der Ausbildung. „Bienen sind interessante Wesen, Sammelbienen teilen ihren Stockgenossinnen etwa durch Tänze mit, wo sie Nahrung gefunden haben“, erzählt der Frankfurter Imker. Für diese Entdeckung erhielt Karl von Frisch 1973  sogar den Nobelpreis. Und nicht nur das:  Die ausgeklügelte Kommunikation der Bienen ist mittlerweile auch Vorbild für einen Algorithmus, den ABC- Algorithmus. „Dieser künstliche Bienenvolk-Algorithmus ist ein relativ neuer populationsbasierter Algorithmus, mit dem komplexe Optimierungsprobleme gelöst werden sollen. Insbesondere in der Informatik, um beispielsweise Rechnerkapazitäten zu optimieren“, erklärt er.

Kostbar: Frankfurter Honig

Ein Bienenvolk besteht aus bis zu 50. 000 Bienen, doch in den Sommermonaten leben die Arbeiterbienen gerade mal vier bis fünf Wochen. Im Winter senkt sich die Zahl auf  etwa 6. 000, dann leben die Bienen fünf bis sechs Monate. Älter wird nur die Königin: sie lebt bis zu vier Jahre. Ihre Aufgabe ist es Eier zu legen und über die pheromonelle Steuerung des Stocklebens das Bienenvolk zu erhalten. Imker Richard Betz hat sechs sogenannte „Wirtschaftsvölker“, drei Ableger für die Jungvolk- und Königinnenzucht. Durchschnittlich ein Mal pro Woche sieht er nach den Bienen.

Interesse am Imkern in Frankfurt wächst

Der Umgang mit den Bienen hat für ihn auch etwas Kontemplatives, man muss Ruhe mitbringen, behutsam sein. Und möglicherweise ist das auch der Grund, weshalb sich immer mehr Menschen für die Imkerei interessieren. „Das Interesse am Stadt-Imkern wächst seit einigen Jahren“, stellt auch Richard Betz fest. Rund 500 Frankfurter Imker kümmern sich derzeit auf Museumsdächern etwa und in Kleingärtneranlagen um Bienenvölker, außerdem gibt es einen Bienenlehrpfad im Ginheimer Wäldchen und neuerdings Bienenlehr-Tafeln im Museum für Angewandete Kunst in Frankfurt/M.

„Auch Honig-Bienen sind Lebewesen, die in einer doch künstlichen Umgebung gehalten werden“, so Betz. Da bedarf es einer sorgsamen Führung, der sogenannten Betriebsweise. Außerdem können Krankheiten ganze Völker vernichten, so etwa die Varroa-Milbe, die etwa ein Millimeter große Milbe kann sich als Krankheitsschleuder für einen kilometerweiten Umkreis entwickeln. „Deshalb ist es so wichtig, die Bienen zu beobachten“, konstatiert Betz.

Früher war es die Imkerpfeife, heute ist es ein Smoker: Der Rauch, den er produziert beruhigt die Bienen. Den setzt auch Richrad Betz ein.

Und im Internet und Supermarkt könne man inzwischen sogar ganze Bienenstöcke bestellen. „Das ist aber keine gute Idee“, erklärt der Frankfurter Imker, denn auch hier würden Krankheiten und Schädlinge mitgebracht. „Jedem angehenden Hobby-Imker ist deshalb nur anzuraten, Kurse der Bieneninstitute oder der Imkervereine zu besuchen. Schließlich trägt man Verantwortung für die Gesundheit der anvertrauten Lebewesen.“

Sorge, dass die Honigbiene aussterben könne, hat Betz weniger, „betroffen sind eher die Wildbienen“, weiß er. Inzwischen sind mehr als 50 Prozent der deutschen Wildbienenarten auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft sei aber ein generelles Problem für die Artenvielfalt.

Imkern für das Honigbrot, Bestäubung für die weltweite Nahrungsmittelproduktion

Hat Richard Betz die Holzrähmchen mit dem Honig im Anhänger, gilt es langsam und vorsichtig zu radeln. Um die Autofahrer milde zu stimmen, hat er das Schild „Imker im Einsatz“ am Anhänger angebracht.

 

Fakt ist: Etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion wird von Bestäubung beeinflusst. Herrscht Mangel an Bestäubern, fallen die Ernten gering aus. Und hier spielen Honig- und Wildbienen eine wichtige Rolle.

Die Bienenkönigin, die Weisel, legt bis zu 2000 Eier am Tag – und das tut sie bis in den Frost hinein. Dann kommt eine kurze brutfreie Periode, die Völker verbleiben im Stock. Diese Zeit nutzt Betz für Reparaturarbeiten. Der Lohn seiner Arbeit aber steht im Winter in der Küche. Und Freunde erhalten seinen Honig als Geschenk. „Den gesamten Reinerlös spenden wir etwa an die Hilfe für krebskranke Kinder in Frankfurt, die Kinder-Palliativ-Station oder auch die Obdachlosenhilfe“, sagt er. „Wir nehmen etwas und wir möchten etwas zurückgeben.“

Richard Betz‘ Honig kann man kaufen: Blumen Geißler, Darmstädter Landstraße 225, 60598 FFM. Mehr Infos zu Imker-Philosophie und zu ihm: http://www.imkerei-betz.de

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